„Braucht sie vielleicht mehr Zeit mit der Mama?“

Zur Orientierung, hier die Hard Facts: Meine Kleine geht in den Kindergarten, der Große zur Schule, mein Mann arbeitet, ich arbeite – chaotisch, manchmal viel, manchmal wenig – meistens als Trainerin in Kursen, die viel zu früh am Morgen anfangen. Wir sind keine Morgenmenschen. Nur mein Mann, der ist schon weg, bevor wir aufstehen. Er bringt die Kids ins Bett, ich hol sie ausm Bett – all good. Manchmal startet der Morgen sogar superkalifragilistikexpialigetisch gut und dann in der Garderobe vom Kindergarten kommt meiner Kleinen in den Sinn, dass sie jetzt doch nicht im Kindi sein will, lieber wär sie daheim auf der Couch, oder bei ihrer Baby-Cousine oder bei den Omas oder was weiß ich wo, irgendwo am Strand. Dann kaspert sie rum. So halb witzig, unwitzig für mich, weil ich eh spät dran bin. Ich versuch mit aufgesetzter Geduldsstimme, sie bei Laune zu halten und sie gleichzeitig loszuwerden. Ich hab nen Wintermantel mit Schal an und sie kaspert immer noch rum. Ich versuch meine Nervosität zu unterdrücken, knie mich zu ihr runter umarme sie. Schau auf zur Kindergartenpädagogin und frage mehr oder weniger verzweifelt aber immer noch verlogen ruhig: Was soll ich machen?

[Pause:] Was ich wissen wollte: Wie soll ich mich verhalten? Soll heißen, ich bitte dich um deinen Rat als Kindergartenpädagogin und Kinderexpertin. Mich 100 mal neu verabschieden? Sie mit irgendwas ablenken? Einfach mal n Schluss-Strich ziehen?

Keine Ahnung, ich bin verzweifelt, ich schwitze wie Sau in dieser Garderobe, soll ich meinen Mantel ausziehen? Nein, ich bin spät dran. Ich möchte den Tag beenden bevor er angefangen hat.

Was ich stattdessen als Antwort kriege: „Ja, muss sie vielleicht einfach mehr Zeit mit der Mama verbringen?“ Echt jetzt? Den Vorwurf noch als Frage verpacken? Grrrr. Und mich mit „die Mama“ ansprechen? Ich steh doch vor dir.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen „Ich leg mich jetzt hier auf den Fliesenboden, press meine Wange auf den kalten Boden zum Abkühlen und wein einfach mal n bisschen vor mich hin“ und „Bah, ich zerfetz gleich, irgendein, irgendeinen Zettel theatralisch in der Luft und brüll laut los: Mein Kind verbringt sooooooo so so viel Zeit mit mir! Um Himmels Willen, mein Kind verbringt so viel Zeit mit mir, dass es ihr selbst manchmal zu viel wird und sie mich anfleht, alleine zu den Nachbarn rüber zu dürfen!“ Sie darf by the way.

Während mein Hirn und mein Herz sich völlig überfordert und ratlos anblicken und es nicht auf Anhieb schaffen, sich zu sammeln, wechselt irgendwas in mir das Thema. Ich knuddel meine Tochter und mach noch n Wettrennen mit ihr. Sie rein ins Getümmel und zum Fenster ich raus zur Tür, um beim Fenster zu winken. Wir schicken uns fliegende Küsse durch die Gegend. Alles gut – wie immer – zwischen ihr und mir jedenfalls.

Ich? Ich bin angefressen, zutiefst gekränkt. Gekränkter als ich es mir eingestehen will. Kann mir doch egal sein, was andere über mich denken. Kränkt mich aber trotzdem, dass es nicht sichtbar ist, was ich für meine Kinder gebe und mache und wie fein wir es miteinander haben. Es ist anmaßend, darüber zu urteilen und gemein, mir ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen. Das habe ich nicht verdient. Keine Mama hat das verdient. Kein Mensch verdient es, dauernd als die oder der Schuldige an allem hingestellt zu werden. Hört endlich auf, aus jedem Kinkerlitzchen ein „Oh, da hat DIE MAMA wieder dies und jenes falsch gemacht-Drama“ zu machen! Es nervt, langweilt und kränkt. Als hätten nicht sogar die Kack-Moms unter uns eh schon so hohe Ansprüche an sich selbst. Lasst mich in Ruh mit dem Mist. Hey wir Mamas, wir Frauen, ja eigentlich wir alle Menschen müssen doch zusammenhalten, anstatt uns gegenseitig fertig machen.

Ich wollt jetzt noch was Witziges schreiben, ich weiß leider nix. Beim nächsten Mal vielleicht. In diesem Sinne, Mamas, nur eine Sache: Seid lieb zueinander, helft euch gegenseitig aus, wenn eine mal strudelt! Und wenn du diejenige bist, die’s grad strudelt, gib Bescheid, sieht’s von außen nicht sehr gut.

Love

Nin

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

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