„Wer schaut dir auf die Kinder?“

Nadine

Geh mal als Mama von nem Kleinkind allein irgendwo hin. Die erste und immer dieselbe Frage: Und wo hast du das Kind bzw. die Kinder? Ja wo werden die Kinder wohl sein, wenn ihr seht, dass mein Mann nicht dabei ist? Korrekt, bei meinem Mann, der anderen Elternhälfte unserer Kinder.

Knapp 2 Jahre ist es nun her, als ich die Möglichkeit hatte, meiner Schwester nach Australien hinterher zu reisen. War das ein tolles Erlebnis. Dafür bin ich heut noch dankbar 🥰 Auch wenn das in meinem Umfeld nicht überall gut ankam. Schon gar nicht auf Anhieb. Find ich zwar seltsam, ist aber nicht mein Problem! Ich mach gern auch mal etwas für mich – und nur für mich. Wenn mich das zur KackMom macht, bitteschön.

Zurück zu „Jippie, ich flieg nach Australien!“ Die allererste Reaktion – immer, von (fast) allen: Hhhhh, ja und wer nimmt dir die Kinder?
Ich: Nana, nur ich geh, mein Mann bleibt ja da.
Alle: Ja, eh. Und wer nimmt dir die Kinder?
Ich: Hä? Mein Mann bleibt ja da.
Alle: Was? Wie? Der arbeitet doch.
Ich: Ja, du doch auch. Ich auch by the way.
Alle: Ja, aber wie macht er das mit Arbeit und so?
Ich: Ja, ich denk mal, so wie du. Er bringt die Kids morgens zur Schule und in die Spielgruppe und dann holt er sie wieder ab. Wenn’s mal später wird, wird er bestimmt so clever sein und die Omas fragen, ob sie auf die Kinder schauen.
Alle: Na, das ist aber schon super von deinem Mann.
Ich: Ja voll. Genau so super, wie von dir. Du bringst deine Kinder doch genauso vor der Arbeit in die KiTa und danach holst du sie wieder ab. Einziger Unterschied: Als Vater kriegst du dafür einen Orden, als Mutter halt nicht.

Stell dir vor, ich wär nicht Mutter sondern Vater – kein Mensch würd fragen, und wer nimmt die Kids?! Man würd vielleicht fragen, ob die Frau das erlaubt, was im Übrigen genau so seltsam ist.

Dass sich sowohl seine, wie auch meine Mama wiederholt angeboten haben, ihm die Wäsche zu waschen, finden wir bis heute voll nett und verstörend zugleich. Mein Mann fand den Gedanken eh witzig und meinte nur: Werd ich grad mit der Schmutzwäsche an unserer Waschküche vorbei gehen und sie stattdessen ins Auto laden und durch die Gegend karren. Ich glaub, ich schalt einfach die Maschine ein. Aber danke.

Jaja, alle so, ist doch nett. Logisch ist das nett und bezeichnend dazu. Da ging‘s um 2 Wochen und man hat Angst, dass er sich überfordert. Wie vielen alleinerziehenden Mamas wohl schon angeboten wurde, ihnen die Wäsche zu waschen? Oder für sie zu kochen oder ihr die Einkäufe abzunehmen. Oder die Kinder von der Schule abzuholen, weil sie doch so tüchtig arbeitet.

Hören wir endlich auf, Väter, die sich um ihre Kids kümmern, als gnädige Babysitter zu sehen, anstatt als Elternteil mit betreuungspflichtigen Kindern, wie‘s so schön heißt. Ich weiß, wir sind noch meilenweit davon entfernt, arbeiten wir trotzdem dahin: Teilen wir’s uns doch auf. Würden Mutter und Vater je 75% arbeiten, gäbe das gemeinsam auch einen Ganztags- und einen halben Job, nur dass so beide Elternteile was vom gesamten Leben haben: Arbeit, Familie und Freizeit, statt entweder oder! Let’s have it all 🥰

Diese Modelle gibt’s, doch von selbst passieren die nicht. Viel zu eingefahren ist er, dieser veraltete Karren. Dazu braucht’s zum einen mal familienfreundliche Firmenstrukturen und zum anderen vor allem familienfreundliche Köpfe! Und mit Familie meine ich übrigens jede Art von Familie, unabhängig von Geschlecht und Anzahl der Elternteile oder auf wie viele Haushalte die Familie aufgeteilt ist. Wie so oft: Eine Frage der inneren Haltung. Und die, Ladys and Gentlemen, kann jede/r selbst bestimmen und verändern. Bitte zum Guten 🥰

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

2 Kommentare zu „„Wer schaut dir auf die Kinder?“

  1. Hey, danke für den Text.
    Hm, also ich gestehe zunächst mal, ich würde, wenn du mir erzählst, dass du nach Australien fleigst für ne gewisse Zeit, auch fragen was mit den Kindern ist. Wenn ich mal überlege warum ich das denn so mit als erstes fragen täte…hm…also eine Mischung aus Neid und eben Erfahrung. Neid, weil ich eben weiß, dass sowas nicht jeder Eltern (die schiefe Grammatik war bewusst gewählt) hinkriegt. Und Erfahrung aus meinem Leben als kinderloser Mann , der sich ab Anfang 30 daran gewöhnte, dass potentielle Partnerinnen eben in der Regel Alleinerziehende sind. Allein ein Date hinzukriegen wurde da mitunter zur heftigen Nummer. Nachvolzziehbar, aber klar: ich stünde sehr verallgemeinernd vor dir und dächte „Okay, Samstagabend ins Kino geht nicht…aber paar Wochen in Busch schon….“. Das Schöne: Als „KackMom“ würde ich das nie bewerten, im Gegenteil, ich fidne das gut und wichtig, dass sowas noch geht. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob das echt viele so täten. Getarnter Neid oftmals, gewiss.
    Zu der Sache mit dem Beruf und ob man das einen Mann auch fragen würde: Naja, hier ist ja leider noch immer eine üble Wechselwirkung unterwegs. Nein, man würde einen Mann solche Dinge, wie du erwähnst nicht fragen. Dafür fragt man Männer eben andere fiese Dinge. Dass Kerle im Durchschnitt 2 Monate Elternzeit nehmen nur ist ja kein Zufall und auch nicht nur Egoismus und Kinderunlust und veraltetes Rollendenken. Es hat auch damit zu tun, dass von einer Frau jeder erwartet, dass die bei Geburt lange weg ist (auch nicht schön) während man als Mann in den meisten Firmen erstmal noch durch einen üblen Parcours auch Erklärungen und Rechtfertigungen muss. Da wird man sehr viel und sehr intensiv befragt, was einer Frau höchstselten passiert, wenn denn das Kind erstmal unterwegs ist.
    Feiner Blog, viele Grüße,
    David

  2. Ich kenne so ein Denken von meiner Oma. Als z.B. meine Freundin für ein paar Tage ohne ihre beiden Kinder bei mir zu Besuch war, war die erste Frage meiner Oma „Wer kümmert sich um die Kinder? Ihre Mutter nimmt doch bestimmt die Kinder in der Zeit oder der Papa bekommt Hilfe von der Mutter…Für einen Mann ist das doch zu viel so alleine mit den Kindern…“ Schade, dass es von vielen Menschen als selbstverständlich angesehen wird, dass Mütter ohne Unterstützung alleine die Kinder umsorgen können…aber bei Vätern ist es total verständlich, dass sie alleine mit den Kids überfordert sind.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: