„Frauen sollten nicht wählen dürfen“

Frauen sollten nicht wählen dürfen. Jaja, denn schließlich gehen sie ja auch nicht in den Krieg. Wenn dich dieser Satz schon stutzig macht, lies weiter.

Was meine Freundinnen und ich uns alles schon anhören konnten. Als wärn wir in der Zeit zurückgereist. Ich geh mal davon aus, dass auch andere Frauen den ein oder anderen Sager schon mal gehört haben. Also hier ein paar Highlights. Einfach so, weil mich derart seltsame Meldungen verstören. Vielleicht geht‘s weg, wenn ich‘s rausschreib.

Verhütung ist Frauensache. Äh, ok, ja magst du dich nicht auch vor Krankheiten schützen? Oder wie sieht‘s mit ungeplanten Schwangerschaften aus? Zugegeben, so n Kind hat auf das Leben des Erzeugers jetzt noch immer nicht ganz so eine alles verändernde Wirkung als auf die Erzeugerin. Dennoch – hinterher bitte net über Alimente klagen, weil, ja, blöd und sorry, Kids haben keine Jobs und daher kein eigenes Geld. Der betreuende Elternteil kann wegen der Betreuung eben nur mehr weniger Stunden arbeiten, hat dadurch gleich nochmal weniger Geld obwohl man jetzt Kohle für sich und ein Zusatzmenschlein braucht. Ungut.

Ein Kind gehört ausschließlich zur Mutter, das ist von der Natur so vorgesehen. Also, als ich das letzte Mal nachgesehen hab, waren meine definitiv abgenabelt. Keine Sorge, meine Kinder dürfen sich neben mir auch bei anderen Bezugspersonen wohlfühlen. Bei Papa zum Beispiel. Der hat vielleicht auch nicht immer Lust. Ich auch nicht. Die Kids auf uns auch nicht. That‘s Life. Suck it up. Get over it. Im nächsten Augenblick passiert eh wieder etwas Herzerwärmendes oder Knuffig-Witziges und alles wieder gut.

Frauen gehören nicht in Führungspositionen, weil sie Kinder kriegen können. Puh, äh – ich hab keine Worte dafür. Ich komm schlicht nicht drauf, wie genau sich jetzt so ein Uterus auf Führungskompetenzen auswirkt.

Am liebsten würd ich gar keine Frauen mehr einstellen. Nach der Karenz denken die voll, sie können einfach so zurückkommen. Dafür hab ich auch keine Worte. Oder doch: Ja, das denken Frauen. Und nicht nur Frauen. Auch die österreichische Gesetzgebung! Ebenso Männer, die aus der Karenz zurückkommen. Sollen treue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benachteiligt werden, weil sie es wagen, n Kind mit anschließender Karenz zu kriegen? Zurückkehrende Elternteile sind übrigens keine schlechteren Mitarbeiter*innen. Also wer mit der Verwantwortung für ein Kind klarkommt, den oder die erschreckt so schnell nix mehr. Gibt‘s denn etwas Verantwortungsvolleres als für ein Menschenleben zuständig zu sein? Glaub mir, der betreuuende Elternteil kann die eigenen Bedürfnisse durchaus mal hinten anstellen, hat Durchhaltevermögen, wird beinahe täglich mit einer neuen Phase konfrontiert und findet kreative Lösungswege. In der Karenz lernst du dich zu organsieren und selbst für deinen Tagesabslauf zuständig zu sein – ob du willst oder nicht. Eigenschaften, die auch im Job mitunter ganz nützlich sind. Außerdem muss es ja nicht zwingend so sein, dass er buckelt wie ein Irrer und sie ab der Karenz komplett von der Bildfläche verschwindet und danach grad n halben Tag zurückkommt. Das dürfen sich Mama und Papa zum Glück schon noch so aufteilen, wie sie wollen. Kommt halt vielen vor lauter Arbeit im Betrieb oder im Haus net in den Sinn. Man muss nicht alles so machen wie es immer schon war. Ich wünsch uns Familien, dass wir das finden, was für alle (!) Beteiligten am schönsten ist. Schließlich arbeitet man in einer Partnerschaft doch zusammen. Und ja, auch Ex-Partner*innen dürfen am selben Strang ziehen.

Ich hab noch mehr, aber das reicht für heut. Heute ist ja nicht aller Tage Abend… In diesem Sinne: Ich schreib wieder, keine Frage 😘

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

2 Kommentare zu „„Frauen sollten nicht wählen dürfen“

  1. Das wirklich Blode, sage ich mal so als Mann, ist daran ja zweierlei:
    a) Ich glaube dir, dass du/ ihr sowas oft hört. Aber nur, weil ich nicht wüßte, warum du lügen solltest. Aus meinem eigenen Leben kenne ich niemanden, keinen Kerl der so denkt, so ist. Und nix von wegen „jaja, wie mit der BILD-Zeitung, liest angeblich auch keiner oder zu Prostituerten geht auch keiner und trotzdem floriert das Gewerbe wie Hulle!“. Ich würde frech schätzen, dass es wie mit so vielem ist: 10 Prozent reden so, 5 Prozent denken tatsächlich so (reden und so denken sind hier bekanntlich selten das Gleiche) – und die restlichen 90 Prozent landen in Sippenhaft. Ich lese ja auch oft mal den Satz Männer hätten Angst vor Frauen, die mehr Geld verdienen. Wird nie belegt mit Studie oder so, schreibt man halt einfach so. Wir haben 2020, die meisten Geringverdiener sind Kerle, die Mieten sind wie se sind – ne Frau ohne eigenes Gehalt ist schlichtweg unrealistisch.

    b) Als Kerl muss man sich auch dauernd so nen Schmarrn anhören. Was man alles nicht kann ud was man doch angeblich alles will und wie man zu sein hat damit man Mann ist. Grönemeyer würde sich im Grabe umdrehen, wäre er bereits gestorben;-)

    Ich wünsche dir einen guten Start in die neue Woche!

  2. a) Wart ab, ich hab noch mehr Unglaubliches. Mir wär bei vielem auch lieber, es wär nicht wahr. Ich kenne leider echt Leute, die so reden und noch immer viele, mit so ner „Ja, ein bisschen Recht hat er ja schon“-Einstellung. Voll gruselig.
    b) Mah, ja, dieses „Echte Männer sind so und so“-Gelaber. Das glaub ich, dass das tierisch nervt. Können Menschen einfach mal Menschen sein?
    Dir auch n fabelhaften Start in die neue Woche!
    Liabs Grüaßle
    Nadine

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