Die typische Mama-Sichtweise

Ländle-Workingmom, Episode 2

Was bisher geschah: Unsere Ländle-Workingmom ist in Karenz und vereinbart ihren Wiedereinstieg in den Job. Zumindest möchte sie das. Das erste Gespräch mit ihrem Abteilungsleiter? Ernüchternd. Von den Überlegungen aus der Zeit vor der Geburt, wird nichts umgesetzt. Aber hey: Erstens hätte sie das ja kommen sehen müssen und zweitens kann man der neuen Person, den Job doch nicht einfach so wieder wegnehmen. Heißt: Von der Stelle, die unsere Ländle-Workingmom über 10 Jahre lang auf- und ausgebaut hat, ist für sie nix mehr über. Der Grund: sie hat jetzt n Kind. Ihr Partner auch, das interessiert halt keinen. Sein Job ist wie er davor schon war und kein einziger wollte wissen, wo und wie denn das Kind diese vielen, vielen Stunden ohne ihn überlebt.

  • Wo findet die Geschichte statt? In Vorarlberg – in einer Firma mit über 200 Mitarbeiter*innen
  • Wer spielt alles mit? In Teil 2 wieder unsere Ländle-Workingmom, ihr Abteilungsleiter, die Damen aus der Personalabteilung haben einen Gastauftritt, die Personalleiterin, die AK. In den späteren Folgen dann noch der Vize-Bigboss und der Betriebsrat.
  • What’s the problem? Unsere Ländle-Workingmom hat n Kind gekriegt und kehrt ins Berufsleben zurück.
  • Selbe Anmerkung: Ich gebe weder den Namen unserer Ländle-Workingmom, noch den Namen der Firma preis. Es existieren beide und ich fürchte mehr als nur einmal. Wer sich also als Firma angesprochen fühlt: Shame on you. Findet bessere Lösungen. Wer sich in unserer Ländle-Workingmom wiedererkennt: Fight for your right und hol dir Unterstützung.

Ready? Here we go

Kackmom: Hattest du mit dem Personalbüro direkt eigentlich auch schon Kontakt?

Ländle-Workingmom: Ja, ich war ziemlich bald nach der Geburt schon mal kurz da, die Bestätigung über die Geburt abgeben. Ich wurde kurz gefragt, ob ich in einem Jahr dann eh 30 Prozent zurückkomme. Ich: Nein, ich hab vor 80 Prozent zurückzukommen. 2 volle Tage, ein halber Tag Homeoffice und so eben erst mal die Überstunden abbauen. Sie so: Ich budgetier mal 60. Verstand ich zwar nicht, hab nicht weiter drüber nachgedacht. Und dann ein paar Wochen darauf war dann dieses Einzelgespräch mit meinem Vorgesetzten.

Kackmom: Na, und wie ging’s nach diesem Gespräch denn weiter?

Ländle-Workingmom: Ich konnte die Welt nicht mehr verstehen. Das hat mit den Überlegungen, die wir vorab angestellt hatten, nix mehr zu tun. Wie kann man mir mein Lebenswerk einfach so wegnehmen? Und das dann noch so begründen: Wir können doch der neu angestellten Person den Job nicht einfach so nach einem Jahr wieder wegnehmen. Aber mir ja? Das hätte man von Anfang an anders handhaben müssen. War doch die ganze Zeit klar, dass ich zurückkomme.

Kackmom: Ja, du hast doch Anspruch auf nen gleichwertigen Job. Oder nicht?

Ländle-Workingmom: Eh. Ist meinem Arbeitgeber aber egal. Ich weiß nicht genau, ob ich da angelogen werde oder ob sie es tatsächlich nicht wissen. Jedenfalls erhielt ich eine Mail in der stand, dass ich Überstunden eigentlich nur geblockt nehmen könne. Also habe ich mich genauer über meine Rechte informiert. Von der AK erhielt ich die Empfehlung, meinen Vorschlag zur Elternteilzeit auszuarbeiten und unterschreiben zu lassen, schließlich gibt es ja auch Fristen, die einzuhalten sind und wenn der Arbeitgeber meinen Vorschlag ablehnt, muss er mir einen Gegenvorschlag präsentieren, damit wir irgendwann eine Einigung finden können. Gut, ich also hin, mein Abteilungsleiter unterschreibt. Er scannt mir das ein. Ich gehe. Der Anruf vom Personalbüro kam dann 3 Tage später. Wir vereinbaren einen Gesprächstermin.

Das Gespräch

Kackmom: Und habt ihr bei diesem Gespräch dann eine Vereinbarung ausgearbeitet?

Ländle-Workingmom: Nein, das Gespräch mit meinem Abteilungsleiter und der Personalleiterin verlief ungefähr so: Also dein Vorschlag geht nicht und das sind ja schon auch viele Stunden und dass du nach dem Aufbrauchen deiner Überstunden dann vielleicht doch nicht 80 % arbeitest, sondern doch nur 70 oder so, das wollen wir nicht. Und überhaupt: Was machst du dann eigentlich mit dem Baby? Echt jetzt? Again? Ich mach das so, wie unsere Businesspartnerinnen das auf der ganzen Welt machen. Der Abteilungsleiter: Die arbeiten ja auch in Nonprofit-Unternehmen, das ist was anderes. Ich erzähl wieder von meinem tollen Betreuungsnetzwerk aus Mann, Familie und Spielgruppe. Und wieder: Dein Job hat jetzt jemand anderes und deinen Vorschlag lehnen wir ab, der Vize-Bigboss ist auch dagegen. Die Personalerin: Als Frau verstehe ich dich ja, aber sei nicht frustriert. Bis du wieder kommst, sind’s ja noch ein paar Monate, da wird sich sicher noch irgendwas finden.

Kackmom: Kriegst du, seit du in Karenz bist, irgendwas aus der Firma mit?

Ländle-Workingmom: Aus dem Betrieb direkt nicht viel. Ich hab im Gespräch eben auch erwähnt, dass ich mit einigen unserer Topkund*innen in Kontakt stehe und die mich natürlich fragen, ab wann ich denn wieder zurück bin. Das wurde vom Abteilungsleiter nur mit jaja, ich weiß schon, kommentiert.

Kackmom: Gibt’s denn gar keine Überlegungen, in welchem Bereich die Firma dich denn einsetzen will, wenn sie dir deinen Job nicht mehr geben wollen?

Ländle-Workingmom: Nein, das ist auch Gang und Gäbe hier. Viele kommen die vorgeschlagenen 30 Prozent zurück und einige müssen sich dann erst mal die Arbeit zusammensuchen. Das will ich nicht. Ich will auch nicht, dass man mich degradiert oder in einen Bereich steckt, in dem ich keine Qualifikation habe. Und das hab ich auch kommuniziert: Schau, ich bin heute hier, weil ich wissen will, wie wir meinen Job nun einteilen. Ich komm nicht zurück zum Päckle packen. Ich habe ja auch Anspruch auf einen in allen Belangen gleichwertigen Job. Der Abteilungsleiter hat Zweifel, die Personalerin bestätigt meine Behauptung und ergänzt: Das könnte sie – also die Ländle-Workingmom – sogar einklagen. Ich: Wir haben ja vorab schon Gespräche geführt, ihr wusstet doch, dass ich zurückkomme. Genauso wisst ihr seit Monaten, dass ihr mich die nächsten Jahre nicht kündigen könnt, also lasst mich doch auch arbeiten fürs Geld! Meint die Personalerin so: Naja, ich hab schon mal eine Mama im Kündigungsschutz gekündigt. Ich: Grundlos geht das nicht. Und wieso habt ihr die Stelle nicht als Karenzstelle ausgeschrieben? Abteilungsleiter und Personalerin lachen beide auf. Er so: Ja, das ist jetzt halt eine typische Mama-Sichtweise. Ich glaub nicht, dass du schon mal ein Unternehmen geleitet hast. Und sie: Also ich würd ja nie meinen Job aufgeben und mich auf eine Karenzstelle bewerben. Ich: Du hast grad versucht mich mit „bis dahin tut sich doch noch so viel“ zu beschwichtigen, dann könnte sich doch für Karenzvertreter*innen in einem Jahr auch die ein oder andere Möglichkeit ergeben.

Kackmom: Na, und wie seid ihr verblieben?

Ländle-Workingmom: Wie gehabt. Gar nicht! Jetzt such ich das Gespräch direkt mit dem Vize-Bigboss, schließlich habe er meinen Vorschlag ebenso abgelehnt. Ich sehe nicht, weshalb mein Vorschlag nicht akzeptiert wird. Der ist für alle Beteiligten sehr gut, wie ich finde. Für unsere Kund*innen, für die Firma und für mich auch. Ich hab langsam das Gefühl, das ist das Problem. Dass die Lösung für mich ebenso toll wäre. Da ich dem Vize-Bigboss diesen Vorschlag aber nie selbst vorgestellt habe, möchte ich persönlich mit ihm reden. Vielleicht wurde ja etwas nicht richtig kommuniziert und möglicherweise ergibt sich in diesem Gespräch dann eine Lösung. Spoiler: Hahahahaha. Nö, im Ernst jetzt: Hahahaha!


Coming Up next: Das vereinbarte Vier-Augen-Gespräch, das plötzlich zum 6 Augen gegen 2 Augen-Schauplatz wird oder wenn statt einem Vorgesetzten, schon 2 da sitzen, die dich verspotten und der Ton recht schnell bedrohlich scharf wird. Und weil 2 gegen 1 noch nicht reicht, wird noch die Personalerin hereingebeten, während mir verweigert wird den Betriebsrat dazuzuholen. Help please!

zum Nachlesen:

LändleWorkingmom, Episode 1

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

2 Kommentare zu „Die typische Mama-Sichtweise

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