Corona und zurück in die Geschlechterrollen der 50er-Jahre? Ein Appell an alle Feminist*innen unserer Zeit.

Das Bild der Frau und ihre Rolle in der Gesellschaft geht in den Medien grad in 2 Richtungen. 2 Richtungen, die konträrer gar nicht sein könnten. Rolle Nr. 1: Applaus, Applaus – Frauen halten in den systemerhaltenden Jobs gerade unsere Gesellschaft am Leben und Rolle Nr. 2: Frauen zurück ins Heim zu Herd und Kind. Sad Fact zu Nr. 1: Applaus allein hilft halt auch nix. Die systemrelevanten Jobs sind unverschämt schlecht bezahlt. Hey, alle, die Frauen schlechter entlohnen: Los, geht euch schämen und dann zahlt endlich fair! Was ist los mit euch?!?

Even sader Fact zur Rückwärtsentwicklung in Richtung Rollenbild aus den 50ern. Es liegt in der Natur einer Krise, dass sie die Schlechtergestellten zuerst frisst. Und wer ist beruflich und vor allem finanziell noch immer schlechter gestellt? Richtig, Frauen. Und bevor mir wieder einer kommt mit „Mähhh, Frauen müssen halt besser verhandeln und sich besser bezahlte Jobs aussuchen“ – Ja, sie müssen besser verhandeln, Mit IHREN MÄNNERN. Die sind sobald Kinder da sind nämlich die einzig relevanten Verhandlungspartner. Denn von Natur aus schlechter verdient, wer nicht oder nur wenige Stunden arbeiten mag/kann/darf!!! Da ist der Stundenlohn echt das kleinste Problem. Ein 30-Prozent-Job wird in den seltensten Fällen zu einem 100-Prozent-Einkommen führen. Und da liegt das eigentliche Problem. Die Care-Arbeit ist nach wie vor nahezu unangetastetes Hoheitsgebiet der Frau. Und kommt mir jetzt nicht mit „Ja, aber die Genetik“. Irgendwann sind Kinder physisch abgenabelt und ab da kann Papi dann auch einer der Kümmerer sein.

Die Care-, also Sorgearbeit auf pflegende Angehörige – sorry, ich mein pflegende angehörige oder zumindest verschwägerte Frauen (!) aufzubauen, ist fatal – wir sehen’s grad. Wer soll die Ältesten und die Jüngsten versorgen? Jetzt wo weder die externe Kinderbetreuung noch die Alten- und Krankenpflege zur Gänze in Anspruch genommen werden kann bzw. komplett wegbricht. Ja, wer? Ha?

Wenn uns diese Krise eins vor Augen führt, dann wie weit wir von einer gelebten Gleichstellung entfernt sind. Galaxienweit! Dass Männer und Frauen auch mit Kindern erwerbstätig sein können, funktioniert also nur solange die externe Betreuung intakt ist. Und wenn eine Krise kommt? Teilen sich Mama und Papa die Kinderbetreuung und das Homeschooling partnerschaftlich auf? Haha, ja, genau – nein, dann katapultiert sich unsere ach so gleichgestellte Gesellschaft einfach mal direkt in die 50er zurück.

Und wisst ihr was: Nein! Ja, richtig: Einfach NEIN! NEIN! NEIN!

Ich kann keine Sekunde lang irgendeinem Bericht glauben, der voraussieht, dass auch diese Krise Frauen im Kampf um Gleichstellung Jahre wenn nicht Jahrzehnte zurückwirft. Ich bin froh, dass ich nicht in der Lage bin das zu glauben. Denn ich darf das nicht glauben, keine Sekunde! Ich darf nicht glauben, dass Mädchen und Frauen durch die Heim-Sklaverei wieder weniger Zugang zu Bildung hätten oder dass Frauengesundheit noch vernachlässigter wird als eh schon und dass Frauen sich Zuhause in gefährlichen Abhängigkeiten wiederfinden. Ich darf das nicht glauben, ich kann das nicht glauben. Ich bin schlichtweg nicht in der Lage, mir vorzustellen, dass sich die Annäherung zur Gleichstellung verschlechtert, gar rückwärts entwickelt. Inakzeptabel. Schließlich könnte ich mein Leben dann nicht leben. Also nein, ich kann mir mein Leben ohne mich nicht vorstellen!

Wenn dieses Szenario auch für dich unfassbar scheint, gehörst du wohl eher zu denen, die nicht als Erste gefährdet sind. Hilf mit, dies für alle unvorstellbar und völlig inakzeptabel zu machen. Für alle Menschen, finanziell gut gestellte, finanziell schlechter gestellte, Menschen mit Bildung und Menschen, die keinen leichten Zugang zu Bildung hatten oder haben, Menschen jeglicher Herkunft – niemandes Menschenrechte dürfen sich weiter verschlechtern!

Feminist*innen, Väter und Mütter unserer Zeit, sorgt dafür, dass eine der Chancen dieser Krise die Neu-Gestaltung der Rollenaufteilung ist. Anstatt uns in die Vergangenheit zu katapultieren, nutzen wir den Boost der sich beim Erholen aus dieser Sch*** ergibt lieber in Richtung Zukunft: Vorwärts statt rückwärts!

Die Bereitschaft zu einer partnerschaftlichen Aufgabenverteilung wird jetzt besonders in Familien sichtbar, in denen beide Elternteile von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen sind und grad gleich viel daheim sind. Jetzt zeigt sich ganz schnell, wer sich leicht tut, Verantwortung zu übernehmen und wer sich fett auf die Couch haut, während die/der andere Kindswohl, Essen, Küche aufräumen, Wäsche waschen, falten, verräumen, Tagesplanung für Homeschooling und Bewegung irgendwie auf die Reihe kriegt. Und hey, bitte mit einem Lächeln oder wieso bist du schon wieder so grantig? Ja, für diejenigen, die gewohnt sind, nur für sich zu denken, bedeutet dieses Wir statt Ich in der Organisation gewiss eine Umstellung. Und ja, hat’s die Hausfrau bisher hingenommen, dass sich der Göttergatte am Wochenende von der strengen Arbeit erholt, na, was glaubt ihr wohl, was los ist, wenn diese anstrengende Arbeit nicht mehr da ist?

Jetzt, genau jetzt, ist die Zeit für eine partnerschaftliche Rollenverteilung. Partnerschaftlich heißt wir machen das zusammen. Hat den Vorteil, dass Halbe/Halbe beide Elternhälften unterstützt. Gleichgestellt und gleichberechtigt müssen jetzt mehr als Lippenbekenntnisse sein. Jetzt ist die Zeit dafür! Weil wir uns in einer Zeit befinden, in der es diese partnerschaftliche Rollenaufteilung braucht. Sie ist überlebenswichtig. Vielleicht nicht für Leib und Leben aber für die Familie, ganz zu schweigen für die Partnerschaft. Denn wer jetzt nicht bereit ist, sich den Aufgaben und Herausforderungen zu selben Teilen zu stellen, welche Berechtigung Teil der Familie zu sein hätte diese Person denn noch? Das klingt hart, es ist bei weitem nicht so hart wie sich hinzustellen und zu sagen: Nein, ich spiele nicht mit den Kindern, weil ich keine Lust hab und ich beteilige nicht am Haushalt, weil ich das noch nie gemacht hab und jetzt bestimmt nicht damit anfange, ich beteilige mich nicht an der Wäsche, ich kümmere mich nicht um das Baby mitten in der Nacht, und um Himmels willen, du kannst doch nicht arbeiten gehen, wenn ich daheim bin! Der Kindergarten bzw. die Schule hat ja zu und Oma und Opa fallen auch erstmal aus und überhaupt, wer macht dann das Essen?

Genau jetzt können wir die Zeit nutzen, die Rollen neu aufzuteilen. Partnerschaftlich. Heißt übrigens nicht: Jede/r für sich. Nein, heißt zusammen. Und wenn’s net gleich klappt: Das Ding braucht immer wieder mal eine Anpassung, weil ja auch die Umstände sich dauernd ändern. Aktuell grad der Isolations-Zustand, dann werden die Kinder naturgemäß größer und älter und die Bedürfnisse ändern sich und wir, ja wir verändern und entwickeln uns ja auch und so ist das eben auch mit dieser Rollenaufteilung. Zum Glück sind wir Menschen ja mit Herz und Vernunft ausgestattet und können uns die Aufgaben und Pflichten fair aufteilen und die Freuden, die das Familienleben ja auch parat hält miteinander genießen. Gibt’s denn etwas Schöneres als Freude miteinander zu teilen und schöne Momente zu feiern?

Eine Anmerkung noch: Manche Ideen muss man mehr als einmal hören, bis man’s für möglich hält. Trifft auch auf manch unvorbereiteten Partner zu. Obwohl ich nicht wüsste wer gegen partnerschaftliche Aufteilung sein sollte und vor allem mit welchen Argumenten, braucht da manche/r zwei, drei vierundzwölfzig Anläufe bis diese Art der Rollenaufteilung als überhaupt für möglich wahrgenommen wird. Das ist für manch einen wohl so außerhalb des Vorstellbaren, dass es etwas länger dauert, bis es vorstellbar wird. Dann möglich, dann machbar, dann umgesetzt.

Eins muss uns klar sein. Wir haben das in der Hand. Jede*r einzelne von uns trifft die Entscheidung das gemeinsam zu schaukeln oder eben nicht! Also los: Let’s do this! Für unser aller Wohl!

#schaugutaufdich #schautgutaufeinander

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

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