Tempo 20 – why not?

Tempo 20 vor Schulen und Kindergärten? Oder gleich komplettes Fahrverbot? Yeah, why not?

Klar weiß ich, was dagegen spricht und es ist schon erstaunlich, wie sich der Charakter verändert sobald man am Steuer eines Autos sitzt. Je größer die Karre umso krasser die Veränderung. Also bei mir persönlich ist oder zumindest war das eine Zeit lang so. Heut schäm ich mich grad ein bisschen dafür. Mehr noch, ich muss nachträglich grad über mich selbst lachen und auch den Kopf ein bisschen schütteln. Jedenfalls bin ich froh, dass ich heut gelassener im Straßenverkehr unterwegs bin. Zu Fuß, mit dem Rad, mit den Öffis und auch im Auto – die Ruhe in Person. Ja, ich 🙂 Und das war nicht immer so.

Wie hat es mich doch immer angekotzt, wenn Radfahrer*innen mal irgendwo eine Kolonne nach sich gezogen haben. Oder wenn ich wieder mal spät dran war und der oder die vor mir einfach nicht vorwärts macht. Stresst mich vielleicht immer noch ein Mini-Bisschen, wenn ich spät dran bin, heut weiß ich aber, dass es sowas von egal ist, wenn das Auto vor mir halt ein bisschen länger braucht, um in die Straße einzubiegen. Die Fahrerin oder der Fahrer vor mir kann nämlich herzlich wenig dafür, dass ich zu spät dran bin.

Zurück zur Wesensveränderung, die mit der Wahl des Verkehrsmittel zu kommen scheint. Als Autofahrer*in beruft man sich gern auf das gefühlt selbstverständliche Recht, überall gut und zügig durchzukommen, mit ausreichend Platz und genügend Parkplätzen. Die meisten Straßen nehmen ja auch genau darauf am meisten Rücksicht. Was, wenn wir aus dem Auto aussteigen? Verlieren wir dann alle Rechte in Hinblick auf die Nutzung der Verkehrswege? Theoretisch nein, aber praktisch? Ja, absolut! Ab jetzt scheint hier das Recht des Stärkeren zu herrschen. Jeder Mensch, der die Straße ohne Auto nutzt, wird sofort als Störung für den Autoverkehr wahrgenommen. Um die Räder muss man vielerorts mit dem Auto rumzirkeln, Kinder auf dem Schulweg und spielende Kinder sind sowieso eine Riesengefahr für Autos und wie viele Leute wollen eigentlich noch genau jetzt übern Zebrastreifen? Lauf zua, hey!

Und da stellt sich dann die Frage, was uns wichtiger ist: Dass unsere Autos störfrei und zügig durchs Dorf kommen oder dass unsere Kinder sicher in den Kindergärten und Schulen ankommen und du als Autofahrer*in mitunter halt 2 Minuten länger brauchst? Diese Frage sich selbst bitte ganz nüchtern stellen. Bin ich als Autofahrer*in bereit, ein paar Minuten in die Sicherheit der Kinder zu investieren?

Die meisten Wege innerhalb der Gemeinde ließen sich ohnehin bequem mit dem Rad und den Öffis erreichen. Ich weiß aber auch, dass viele Wege mit dem Auto gemacht werden. Es liegt nicht mal so sehr an einer übertriebenen Bequemlichkeit. Wenn noch 10 andere Dinge erledigt werden müssen, ist’s wahrscheinlich gar nicht anders möglich, als den (Arbeits-)Weg und alle anderen Termine mit dem Auto abzufahren. Die Frage, ob man sich generell soviel aufladen möchte und ob und wie man sich davon befreien könnt, ist eine andere.

Und derweil, wenn’s mal wieder länger dauert: Ist es wirklich so tragisch? Die Straße gehört den Menschen nicht nur dann wenn sie ein Auto um sich herumhaben. Und zu Tempo 20 vor Schulen und Kindergärten eben die Frage an sich selbst: Bin ich bereit, ein paar Minuten meiner Wegzeit in den Schutz der Kinder zu investieren?

Na? Bist du?


So oder so: Schau gut auf dich, schaut gut aufeinander. Alles Liebe, Nadine

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: