Gender Gap. Kann’s nimmer hören!

Gib mir ein Zeichen, wenn du einen der folgenden Sätze schon mal gehört hast: Frauen verdienen weniger, weil sie schlechter verhandeln können, weil sie Teilzeit arbeiten, weil sie schlechtbezahlte Jobs wählen. Frauen schaffen es nicht in Führungspositionen, weil sie sich nicht bewerben, Frauen sind nicht in Vorständen, weil wir keine qualifizierten Frauen finden, es bewerben sich eben viel mehr Männer und Frauen bewerben sich halt nur für Jobs, für die sie alle Anforderungen erfüllen und Männer halt, wenn sie nur zur Hälfte dem Anforderungsprofil entsprechen.

Hab ich etwas ausgelassen? Kann sein, ist aber auch egal, denn bereits diese Aussagen hier sind eine Auflistung an Erklärungen, die keine sind, aber noch immer als Ausreden für rein männliche Führungsreihen in Wirtschaft und Politik herhalten. Denn müssen Jobs, die von Frauen verrichtet werden zwingend schlechter bezahlt werden? Müssen es unbedingt ausschließlich Frauen sein, die Teilzeit arbeiten? Sind ausschließlich Frauen geeignete Elternteile für unsere Kleinen? Und wenn Personaler*innen berichten, Frauen bewerben sich nur, wenn sie jeden Punkt des Anforderungsprofils erfüllen, und Männer auch ohne entsprechende Qualifikation, muss dann der Mann den Job kriegen, nur weil sich von der Anzahl her, einfach mehr Männer beworben haben? Gilt hier Quantität vor Qualität? Müsste aus einer noch so riesigen Gruppe an minderqualifizierten Bewerbern, nicht die eine vollqualifizierte Bewerberin das Rennen machen?

Also entweder stimmt die Behauptung nicht und Frauen bewerben sich ebenso auch unterqualifiziert oder Männer wohl doch den Fähigkeiten entsprechend oder es gibt doch ganz andere Gründe für die Gender Gaps in allen Bereichen. Denn sonst könnt man davon ausgehen, dass Männer eher für den Job unter ihrem Bewerbungsniveau geeignet sind und Frauen für die Stelle für die sie sich eben bewerben. Dann zu sagen, ja Männer haben die größeren Chancen, weil sich eben viel mehr Männer als Frauen beworben haben, finde ich nicht sehr wirtschaftlich. Aber was versteh ich schon von Wirtschaft? Ich find’s ja auch schade, dass bestens ausgebildete Frauen mit der Karenz spurlos aus der Wirtschaft verschwinden, ihre Emailadressen mit dem Tag des Mutterschutzes auf inaktiv gestellt werden und sie von der Arbeitsoberfläche komplett wegradiert werden. Viele schaffen den Sprung nach diesem ein bis mehrjährigen – je nach Anzahl der Kids – kompletten Verschwinden nur mehr mühsam, wenn überhaupt. Das ist menschlich für die Frau, jetzt Mama, natürlich ganz schon blöd und mitunter megaunbefriedigend, und unfair und dazu eben auch ein wirtschaftlicher Verlust. Und eigentlich graust’s mir davor, Menschen mit einem monetären Wert zu porträtieren, manche verstehen aber scheinbar nur die Sprache des Geldes und deshalb tadaaa: Jede gut und teuer ausgebildete Frau, die nicht mehr zurückkommt und ihr Wissen nicht in die Arbeitswelt – also in die Wirtschaft zurückträgt – ist ein wirtschaftlicher Verlust. Für das Unternehmen, für die Gesellschaft, ebenso für den Staat, der viel Geld in die Ausbildung gesteckt hat. Bevor jemand auf blöde Ideen kommt: Mädchen und Jungs sollen dieselben Chancen auf (Aus-)Bildung haben und gefördert werden!

Was also tun? Ein offener und ehrlicher Dialog. Schluss damit, sich hinter fadenscheinigen Ausreden zu verstecken, Mut zum Austausch, es könnt ja was Gutes dabei rauskommen. Transparenz und Aufklärung eben und Quoten zur Beschleunigung, denn die gläserne Decke ist anders wohl nicht zu durchbrechen bzw. halt im Schneckentempo. Und nein, die Quote katapultiert nicht unqualifizierte Frauen in den Chef*innensessel, aber ihr wird der Zutritt in Netzwerke ermöglicht, die ihr bis dato verschlossen blieben. Glaubt man den Personaler*innen, würde sie sich ja nicht mal für den Posten zur Verfügung stellen, wenn sie nicht jedes Anforderungspünktchen abhaken könnte. Also meine Damen, wenn ihr euch das nächste Mal irgendwo bewerbt, gerne mit dem Selbstbewusstsein, dass ihr mitunter zu den qualifizierteren Menschen unter den Bewerber*innen gehört 😉

Mehr zum Thema Bewerbung und Selbstbewusstsein findest du in meinem Arbeits-Blog.

Nervös sein ist okay. Gut vorbereitet auch.

Quellen zum Thema
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/frauen-bewerben-sich-eher-fuer-jobs-unter-ihrem-niveau-16251423.html
https://onlinemarketing.de/karriere/karriere-tipps/bessere-faehigkeiten-frauen-bewerben-sich-unter-niveau
https://www.wifo.ac.at/publikationen/publikationssuche?detail-view=yes&publikation_id=60903
https://vorarlberg.at/documents/21336/316589/if_Faktum03_20_20Jahre+Gender+Mainstreaming.pdf/273066cd-5c6a-4f85-b1b2-ee37395cb353

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

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