Unsichtbare Frau in Karenz – Ländle-Workingmom ist weg

Ländle-Workingmom, Episode 5

Was bisher geschah: Ländle-Workingmom hat vor ihrer Zeit als Mama eben 15 Jahre zunächst als Assistentin, dann als Assistent-Managerin dann als Managerin in einem internationalen Konzern gearbeitet und dann ein Kind gekriegt. Alle getroffenen Abmachungen zur Rückkehr aus der Karenz wurden ignoriert, ihr Job ist weg, Gegenangebote gab es zunächst trotz mehrfacher Aufforderungen keine, dann doch, unter ihrer Stelle, also inakzeptabel. Ländle-Workingmom wurde für ihre Ambitionen auch weiterhin Gas im Job zu geben, ausgelacht. Auf die berufliche Laufbahn ihres Partners hat das Kind übrigens keine Auswirkung. Ja, wieso auch? Eltern nehmen ihr Kind ja nicht mit an den Arbeitsplatz.

  • Wo findet die Geschichte statt? In Vorarlberg – in einer Firma mit über 200 Mitarbeiter*innen
  • Wer spielt alles mit? In Teil 5 wieder unsere Ländle-Workingmom, die Firma, die AK.
  • What’s the problem? Unsere Ländle-Workingmom hat n Kind gekriegt und kehrt ins Berufsleben zurück.
  • Anmerkung: Ob Ländle-Workingmom den Namen der Firma preisgibt, ist ihre Entscheidung. Diese Geschichte passiert exakt so in vielen Betrieben. Man möchte meinen, grad große Konzerne haben die Mittel, andere Lösungen als Mama-Mobbing zu finden! Also, wer sich hier als Firma angesprochen fühlt: Shame on you. Findet bessere Lösungen!!! Wer sich in unserer Ländle-Workingmom wiedererkennt: Fight for your right und hol dir Unterstützung. Gerne kannst du dich bei mir melden, möglicherweise gibt’s ja mal die Möglichkeit zum Austausch.

Ready? Here we go!

Vor ein paar Monaten…
Kackmom: Status Quo? Gehst du vor Gericht?

Ländle-Workingmom: Wenn ich muss, klar. Ich hab viel überlegt: Was mach ich jetzt? Ich hab da mit Herz und Seele gearbeitet, unsere Kund*innen schätzen mich und meine Vorgesetzten sind einfach nur noch widerlich. Damit ich vor Gericht zu ziehen kann, muss ich den Job unter Vorbehalt antreten und kann dann die Verschlechterung vors Arbeitsgericht bringen.

Kackmom: Ja und?

Ländle-Workingmom: Mir graust’s davor, dahin zu gehen, um mich von den Vorgesetzten täglich schikanieren zu lassen. Denn nichts anderes ist das hier. Es ist auf ja dem Papier schon mehr als ersichtlich, dass es sich bei der Stelle um eine Verschlechterung handelt. Nein, ich mag da nicht mehr hingehen.

Kackmom: Also kannst du auch nicht vor Gericht?

Ländle-Workingmom: Richtig, jetzt kann ich nur noch schauen, dass ich da halbwegs heil rauskomme. Schließlich verliere ich durch das Ausscheiden aus der Firma ja nicht nur meinen Job samt Kündigungsschutz bis unsere Kleine in die Schule kommt, sondern auch den wirklich voll schönen Kinderbetreuungsplatz ganz in der Nähe meiner Ex-Arbeitsstelle.

Heute….
Kackmom: Wie gingst du nun vor?

Ländle-Workingmom: Mit meiner AK-Beraterin habe ich ein Schreiben aufgesetzt, aus dem hervorgeht, zu welchen Konditionen ich bereit bin aus dem Unternehmen auszuscheiden – mit dem Zusatz „nicht verhandelbar“. Das war keine schöne Zeit für mich, denn ich wusste ja: egal wie’s ausgeht, ich kann nur verlieren. Ich wollte einfach nur wie vereinbart (!) meinen Job wieder aufnehmen. Den Job, den ich mir jetzt jahrelang aufgebaut habe! Und selbst wenn die Firma jetzt allem zustimmt, was ich fordere, ist es nur ein Trostpreis. In meinem Fall eben: ich bleibe noch ein halbes Jahr angestellt, von der Arbeit freigestellt. Der Betriebsrat meinte zuvor mal „als Freund“, er empfehle eine Konsensual-Lösung, sprich 1 bis 2 Monatsgehälter und ich geh. Ich solle nicht den Weg über die Arbeiterkammer gehen, schon gar nicht übers Arbeitsgericht, schließlich sei Vorarlberg doch sehr klein. Ich hab’s natürlich trotzdem gemacht, mit dem Risiko, dass die Firma meinen Vorschlag nicht akzeptiert, ich den Job in der schlechtergestellten Position annehmen muss und dann eben vor Gericht geh.

Kackmom: Wie hat die Firma auf das Schreiben der AK reagiert?

Ländle-Workingmom: In einem Satz. Ungefähr so: „Wir stimmen ihrem Schreiben vollinhaltlich nicht zu, nehmen den Vergleichsvorschlag aber an.“ Komische Formulierung aber ok, das war’s dann also. Schöner Abgang. Vielleicht hätte ich auch länger raushandeln können, schließlich verzichte ich auf jahrelangen Kündigungsschutz und meinen Job  samt Kinderbetreuung! Doch erstens: Ich wollte überhaupt nie fürs Nix-Tun bezahlt werden und zweitens ist ja die Krux an der Sache, solange ich dort angestellt bleib, kann ich natürlich keinen neuen Job annehmen. Und so bin ich nach 15 Jahren aus dem Betrieb ausgeschieden ohne einen Ausstand, ohne Abschluss, ohne mich von meinen Arbeitskolleg*innen zu verabschieden.

Kackmom: Wie reagiert eigentlich dein Arbeitsumfeld?

Ländle-Workingmom: Ja, zunächst mal gar nicht. Das kriegt ja niemand mit. Solange ich in der Karenz war sowieso nicht. Und auch hinterher nicht gleich. Das hat keine*r am Schirm, wann denn meine Karenz fertig sein müsste. Jetzt fängt es an, dass sich die/der ein oder andere wundert wo ich eigentlich bin. Für viele bin ich einfach nie mehr aus der Karenz zurückgekommen und wenn mal Kund*innen nachfragen heißt’s: Ach die, die ist jetzt Mama. Und überhaupt hat sie einfach keinen Bock mehr auf Arbeit. Das erzählen mir Kund*innen und Businesspartner*innen mit denen ich jahrelang zusammengearbeitet habe natürlich, weil sie sich über solche Aussagen wundern. Mich wundert es auch wie man auf so eine Idee überhaupt kommt. Der einzige Trost, auch wenn es mir selbst nichts bringt: Die Mamas, die nach mir aus der Karenz zurückkommen, bekommen anstandslos, was ihnen per Gesetz sowieso zusteht.

Kackmom-Kommentar: Die Unsichtbarkeit der Mamas in Karenz ist ein Problem und jede Mama wird dadurch zur Einzelkämpferin. Es ist der Öffentlichkeit nicht klar, wie viele Mamas davon betroffen sind und auch nicht welche hochrangigen Firmennamen sich da finden. Durchwegs werden Frauen, die in Karenz gehen, so verabschiedet als hätten sie gekündigt. Die Email-Adressen mit dem ersten Tag des Mutterschutzes auf inaktiv gesetzt, die Frau ist völlig weg vom Fenster. Bei Mamas die mal mindestens sowieso ein Jahr wie wegradiert sind, muss man die Nicht-Rückkehr als Firma oft nicht mal groß erklären. Praktisch. Der letzte Stand den die Mitarbeiter*innen haben, war ja der: Sie kriegt ein Baby und geht in Karenz. Ein Jahr lang aus den Augen, da gerät man auch ausm Sinn. Wer weiß in der Hektik des eigenen (Arbeits-)Alltags denn schon wenn jemand anders zurückkehren müsste? Die Firmen kommunizieren ja nicht, „wir haben bereits im Vorfeld solange Mama-Mobbing betrieben, bis sie irgendwann das Handtuch geworfen hat.“

Coming Up next: Ländle-Workingmom hat nen Neuen. Job.

Zum Nachlesen:

Ländle-Workingmom, Episode 1 | Ländle-Workingmom, Episode 2 | Ländle-Workingmom, Episode 3 | Ländle-Workingmom, Episode 4

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

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