Homeschooling. Wir sitzen fest – ich daheim, er in der Firma.

Vier Tage hat sich der Unterstüfler jetzt daheim geschoolt und ich hab jetzt ein Gefühl dafür, wie’s ihm in der neuen Schule so geht. Dank Corona war ich seit Schulbeginn noch nicht in seiner neuen Schule, habe zu keiner und keinem seiner Lehrer*innen ein Gesicht und das ist seltsam – für mich jedenfalls, dem Kind geht’s gut, glaub ich jedenfalls. Der andere Elter? Darf zur Arbeit.

Was ich in diesen 4 Tagen über mein Kind gelernt habe: Seine Arbeitszettel sind auf vier Taschen verteilt, statt in der jeweiligen Mappe und ich hab Flashbacks, könnten grad meine Schulsachen sein. Wow, auch im kleinen Rahmen wiederholt sich die Geschichte also. Ja, Operation „Ordne dein Zeug“ ist im Gange. Hey, ich zeig dir wie. Oder na, das kannst du selbst. Wenn die Chefchaotin das gelernt hat, kannst du das auch. Deutsch-Zettel in die Deutschmappe, Englisch in die Englischmappe. Vollstes Vertrauen 😉 Was ich noch über unseren 10-Jährigen gelernt hab: Ein Computergenie ist er also nicht – noch nicht jedenfalls, Mathe einst er, Deutsch-Angabenzettel sollt er lesen, bevor er losschreibt und mir ist Microsoft Teams einfach suspekt. Ich bin da irgendwie nicht auf Anhieb daheim und so viele Räume und Gruppen und die Aufgaben funktionieren nicht in der Online-Word-Version, aber downgeloadet dann doch. Sagen wir mal so, ich gewöhn mich grad ein und ich hab ordentlich Meter innerhalb des Hauses zurückgelegt. Ich arbeite im unteren Stock, Kind im Oberen – also: Treppe rauf, Treppe runter, schreib einen halben Satz, repeat.

Und hey, mittlerweile hat das Kind jetzt wohl alle Apps und Programme, die ein 10-Jähriger in so einer Lockdown-Distance-Learning-Situation für die Schule so braucht. Er ist also auf 5 verschiedenen Plattformen unterwegs und die echten Bücher gibt’s auch noch. Wenn er da mal nicht auf Anhieb weiß, wo anfangen, wer kann’s ihm verdenken? Niemand, aber wenn er jetzt net gleich mal den Kopfhörer ansteckt und ich weiterhin dieses Fehlermeldungsdings-Signal hör, dann verzicht ich auf die Treppe und geh die Wände hoch. Dabei ist heute ein guter Tag, weder er noch ich hatten heute einen Nervenzusammenbruch. Keine*r von uns hat mit dem Gedanken gespielt, einfach das Handtuch zu werfen. Ahhhhh, da ist es wieder, dieses Ga-Ging-Signal-Geräusch aus dem oberen Stock. Ich rauf, runter, oh, ok, er arbeitet jetzt also mit dem Steinzeit-Laptop, der immer noch rattert, mit dem Buch und mit dem iPad des andern Elters gleichzeitig, weil die Kamera auf dem Laptop Mist ist. Selbst eingeschaltet, platziert und gestartet, er kommt klar, Laptop Sound ist aus, auch wenn er aus einem unerklärlichen Grund erst noch einmal ohrenbetäubend laut aufgejault hat. Der Laptop, nicht der Bub. Dem hat das laptopsche Gejaule nur ein „Altaaaa“ entlockt. Apropos „Altaaa“, ich merke, wie ich selbst innerlich schon mit „Altaaa“ kommentier oder mit „Yeet!“ Yeet übrigens kannst du für alles nehmen. Für yes! oder hhhhhhhhhhhhhh, oder whaaat? oder werfen, vielleicht auch für ups. Yeet! Oh no, lieber net.

Bevor ich ihn dann wieder schick, würd ich noch gern wissen, wie und wo und auf welchen Geräten Videokonferenzen in der Schule stattfinden und es war mir wichtig zu sehen, wo unser Unterstüfler eigentlich steht. Außerdem mach ich meine Workshop-Vorbereitungen ja eh Zuhause. Genau das ist das Problem. Der dazugehörige andere Elter? Hält sich da raus, sagt maximal, schicken wir ihn halt in die Schule. Daheim ihm über die Schulter schauen? Am Vormittag? Im Leben nicht! Schließlich verdient er ja mehr Geld als ich. Zum K… ist das ehrlich gesagt. Weder er noch ich können das jetzt in dieser Sekunde ändern, also frisst’s mich, mein Business hab ich wieder mal geopfert, zumindest für diese Woche, das hat negative Konsequenzen und ich dadurch dann auch gleich wieder weniger Geld am Konto, er muss deshalb also umso mehr ackern, ich kann ihm dann umso mehr vorwerfen, dass ich Zuhause festsitz und er mir, dass er immer noch mehr arbeiten sollt, weil ich nix zum Familienbudget beisteuere and round and round we go. Und wenn ich’s nüchtern betracht, möchte ich aktuell nicht nur nicht in meinen Schuhen gehen, in seinen auch nicht.

Ich nehm mal an, das erleben zig Familien grad ganz ähnlich und hier wär jetzt der Punkt für die positive Wende im Text, aber ich hab nix – außer Zuversicht und Idealismus. Yeet! Nein, Yes! Wir arbeiten an dieser Wende und schaffen das auch, weil was denn sonst? Wir ändern das, am besten alle und pronto, wir bewegen uns sonst noch weiter weg von Gender-Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt. Die kann nämlich nur funktionieren, wenn wir das daheim auch hinkriegen und vice versa. Ich hab heut Nachmittag einen Kundinnen-Termin und ihr habt ja keine Ahnung, wie sehr ich mich darauf freue, auch wenn er nur virtuell stattfindet und ich seit Tagen kein Auge zugemacht hat. Die Zombi-Augenringe schminke ich mir einfach weg und so gut ist meine Webcam ja nun auch wieder nicht. Aber jetzt schau ich erstmal, was wir heute essen und hol Kind 2 vom Kindi ab.

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

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