Wir haben an Gewicht zugelegt – Kind 1 auch.

Weniger Bewegung, mehr Essen, mehr Gewicht. Winter halt. Heuer noch plus Corona. Ich nehm das eh wieder ab, aber das Kind? Kann man ein Kind auf Diät setzen? Oder anders gefragt: Wie kann ich zulassen, dass das Kind ins Übergewicht gerät, wo ich doch in der eigenen Familie die gesundheitlichen Folgen erlebt hab? Hören wir bitte auf, so zu tun, als ob man über Übergewicht nicht reden dürfe. Wir leben an einem Ort, an dem Essen so leicht und so üppig zur Verfügung steht, dass es uns runder und mitunter sogar krank macht. Finden wir einen neuen Umgang mit dem Überschuss und Überfluss an allem.

Spätestens, wenn dir das Fett mal die Blutzufuhr zum Herz so einengt, dass dich nur 3 Stents retten können, ist es Zeit, den Cholesterinwert unter Kontrolle zu kriegen. Die Ärzt:innen sind sich einig: Lass‘ die Süßigkeiten weg und reduziere dein Gewicht! (Nicht ich, meine Mama by the way). Ist es dann clever, dass wir unsere Kinder mit Schokolade, Gummibärle, Chips, Fruchtsäften, Pudding und Fastfood „belohnen“.

Vielleicht geht’s euch ja ähnlich, mir ist es mittlerweile egal, dass mein Gewicht rumschwankt, ich spür mein Wohlfühlgewicht und solange es nicht nur in eine Richtung schwankt und irgendwann kippt, ist das ok für mich. Aber wenn ich seh‘, dass mein Kind immer dicker wird, der Arzt ihm sagt, bitte achte auf gesundes Essen und Bewegung, das geht grad in eine ungesunde Richtung, geht’s mir nicht mehr gut. Alle Kackmom-Gedanken, dieses Mal nicht witzig, sondern ernst gemeint, prasseln auf mich ein: Wie konnt‘ ich das zulassen? Es ist meine Verantwortung auf das Wohl der Kinder zu schauen. Puh, Nadine, da hast du ganz schön versagt.

Jaja, ist net nur meine Verantwortung, die des Vaters eh auch, das hat aber in meinem höchstpersönlichen Guilt-Trip keinen Platz! Da bin ich schuld, dass Kind 1 lieber sitzt, als rennt, die Chips, die wir kaufen, brav isst. Weil wozu sind sie denn sonst auch da?

Das Blöde an der Dick/Dünn-Sache. Darüber zu sprechen wird als Beleidigung angesehen und ist tabu. Das ist total bescheuert, es ist ja für jeden sichtbar, ob jemand dick oder dünn ist. Kann man doch auch wertfrei anerkennen. Über etwas Offensichtliches nicht reden zu dürfen, macht die Sache so richtig kompliziert und drückt doch jeder und jedem Betroffenen den Stempel auf, aus der Norm zu fallen. Darf ich nur darüber reden, solange ich „Normal“-Gewicht hab? Was, wenn ich drunter bin, was wenn ich drüber bin? Was, wenn ich gerne Erfahrungsberichte hätte? Und wenn’s um die Kinder geht, fänd ich Erfahrungsberichte grad nochmal hilfreicher. Ich bin doch nicht die erste Mama in dieser Situation. Bisher jedes Mal, wenn ich drüber rede, kommt von irgendwo: Ja, aber das sind doch Kinder, man kann ihnen doch nicht alles verbieten. Richtig, ich muss ihnen aber auch nicht mehr anbieten, als sie verdauen können – im wahrsten Sinne des Wortes. Und wie gemein das ist, von mir zu sagen, das Kind wird dick. Wieso soll das gemein sein? Sachlich und wertfrei: Das Kind legt immer mehr an Gewicht zu, bewegt sich wenig, isst dafür mehr. Was ist denn daran gemein? Dass ich nicht nur zugebe, dass ich nicht perfekt bin, sondern auch nicht so tu, als wären’s meine Kinder? Sind wir nämlich nicht. Wir sind nicht perfekt: Müssen wir? Muss ein Kind perfekt sein?

Selbstverständlich reden wir in unserer Familie darüber. Wir nehmen die Fastenzeit zum Anlass, uns den Überfluss – auch an Essen – bewusst zu machen und haben uns gemeinsam überlegt, ob und wie wir fasten können. Wir starten heute mit 40 Tage ohne Industriezucker und statt Weißmehl, Vollkornmehl. Heißt, wir lassen Lebensmittel und Getränke mit zugesetztem Zucker weg, essen Vollkornbrot statt Weißbrot. Wer etwas Süßes mag, begibt sich auf die Suche nach Essbarem, das ganz von selbst süß ist. Tag 1 und noch finden wir es super spannend. Ach was red‘ ich? Wahrscheinlich finde nur ich das spannend, der Große ist noch in der Schule und die Kleine hat sich direkt bei den Nachbarn zum Essen eingeladen. Ich orte einen Zusammenhang mit meinen Essensvorschlägen.

Mit Kind 1 mittlerweile von der Schule heimgekommen und ich übergebe ihm die Tastatur: Ich war überrascht, als ich gemerkt habe, wo überall Zucker drin ist. Käsknöpfle sind mein Lieblingsessen und da Weißmehl darin ist, durfte ich es nicht essen dann war ich kurz beleidigt. Aber ich habe gemerkt, dass es jetzt auch nicht sooo schlimm ist.

Ich übernehme wieder und resümiere: Tag 1 derweil überlebt.

Veröffentlicht von Nadine

Nadine hat 2 Kids, 1 Mann, 1 Zuhause. Sie ist Mentaltrainerin und liebt es, eine Meinung zu haben und darüber zu schreiben. Sie ist unperfekt, eine Vollchaotin und manchmal eine KackMom. Mit ihrem offenen Umgang mit ihrem Nicht-Perfekt-Sein möchte sie anderen Mamas sagen: Nobody is perfect, auch Mamas nicht. Du bist okay und wundervoll!

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